Viele Menschen hinterfragen ihre Entscheidungen. Wenige die Muster, nach denen sie Entscheidungen treffen


Soll ich bleiben oder gehen?

Soll ich Ja sagen oder Nein?

Soll ich mich anpassen oder für mich einstehen?


Viele Menschen verbringen erstaunlich viel Zeit mit solchen Fragen.

Sie denken nach, wägen ab, holen sich Rat und versuchen herauszufinden, was die richtige Entscheidung ist.

Und dennoch erleben viele, dass bestimmte Schwierigkeiten immer wieder auftauchen.


Ähnliche Konflikte.

Ähnliche Spannungen.

Ähnliche Zweifel.


Manchmal sogar in völlig unterschiedlichen Lebensbereichen.

Deshalb interessiert mich eine andere Frage.

Nicht nur, welche Entscheidung jemand trifft.

Sondern woran er sich orientiert, wenn er entscheidet.


Viele Menschen hinterfragen ihre Entscheidungen.

Weniger Menschen hinterfragen die Muster, nach denen sie Entscheidungen treffen.

Denn Entscheidungen entstehen nicht im luftleeren Raum.

Sie werden beeinflusst von Erfahrungen, Erwartungen und inneren Regeln, die oft schon lange bestehen.


Manche Menschen orientieren sich unbewusst daran, niemanden zu enttäuschen.

Andere daran, möglichst alles richtig zu machen.

Wieder andere daran, Verantwortung zu übernehmen, bevor überhaupt jemand darum gebeten hat.


Diese Muster wirken meist nicht bewusst.

Gerade deshalb haben sie oft einen großen Einfluss.

Sie bestimmen mit, welche Möglichkeiten wir überhaupt in Betracht ziehen.

Welche Bedürfnisse wir ernst nehmen.

Welche wir zurückstellen.

Und welche Entscheidungen sich richtig oder falsch anfühlen.

Viele Menschen bemerken diese Muster lange nicht.

Nicht, weil sie unaufmerksam sind.

Sondern weil sie selbstverständlich geworden sind.

Wer immer Verantwortung übernommen hat, erlebt Verantwortung oft nicht als Entscheidung.

Sondern als etwas, das man eben tut.

Wer früh gelernt hat, Konflikte zu vermeiden, erlebt Anpassung oft nicht als Muster.

Sondern als Rücksichtnahme.

Wer Leistung mit Anerkennung verbindet, erlebt ständige Anstrengung häufig nicht als Belastung.

Sondern als Normalität.


Genau deshalb bleiben manche Muster so lange unsichtbar.

Sie fühlen sich nicht wie Muster an.

Sie fühlen sich wie die eigene Persönlichkeit an.

Dabei entstehen diese Muster nicht aus Schwäche.

Sie entstehen meist, weil sie einmal sinnvoll waren.


Vielleicht haben sie Sicherheit geschaffen.

Vielleicht Zugehörigkeit.

Vielleicht Orientierung.

Vielleicht Anerkennung.

Vielleicht haben sie sogar dazu beigetragen, dass Menschen erfolgreich wurden, Verantwortung übernommen haben oder als besonders verlässlich gelten.


Viele Muster erfüllen ihren Zweck erstaunlich gut.

Zumindest für eine Zeit.

Schwieriger wird es, wenn sie weiterlaufen, obwohl die Situation sich längst verändert hat.

Was früher geholfen hat, passt nicht automatisch zu dem Leben, das heute entstehen soll.

Eine Strategie, die in der Herkunftsfamilie sinnvoll war, muss nicht dieselbe sein, die heute Beziehungen trägt.

Ein Muster, das beruflichen Erfolg ermöglicht hat, muss nicht gleichzeitig für innere Zufriedenheit sorgen.

Und genau hier entsteht oft eine Spannung.

Nach außen scheint vieles zu funktionieren.

Innen entsteht zunehmend das Gefühl, dass etwas nicht mehr stimmig ist.

Viele Menschen versuchen dann, einzelne Probleme zu lösen.

Sie möchten gelassener werden.

Besser Grenzen setzen.

Weniger grübeln.

Mehr auf sich achten.

All das kann hilfreich sein.


Manchmal lohnt es sich jedoch, einen Schritt weiter zurückzugehen.

Und nicht nur das Problem zu betrachten.

Sondern das Muster dahinter.

Denn häufig wiederholt sich nicht nur die Schwierigkeit.

Es wiederholt sich auch die Art, mit ihr umzugehen.


Deshalb interessiert mich in meiner Arbeit weniger die Frage, was Menschen aktuell belastet.

Mich interessiert, wodurch es immer wieder entsteht.

Welche inneren Regeln wirken.

Welche Muster Entscheidungen beeinflussen.

Und welche Strategien vielleicht einmal sinnvoll waren, heute aber mehr Kraft kosten als sie geben.


Denn was sich wiederholt, hat meist einen Grund.

Und manchmal beginnt Veränderung genau dort, wo sichtbar wird, was bisher selbstverständlich erschien.


Siegrun Bär


Mag. Siegrun Bär

 

Klinische Psychologin und Arbeitspsychologin

 

 

 

 

Langenzersdorf bei Wien

Bezirk Korneuburg & online

 

 

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