Warum du Grenzen brauchst

 

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Manchmal musst du Grenzen setzen. Nicht um anderen

weh zu tun, sondern um dich selbst zu schützen.

Manche Menschen nützen deine Gutmütigkeit sonst aus.

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Stell dir vor, dein Geist wäre ein Haus, dein Zuhause. Ein wunderschönes Einfamilienhaus an einem kleinen See, mit einem Garten voller blühender Blumen, Schmetterlingen in allen Farben und singender Vögel. Das Haus ist liebevoll eingerichtet. Alles hat seinen Platz und seinen Wert. Viele Erinnerungsstücke deines Lebens, deiner Reisen, deiner Familie findest du dort, genauso wie Fotos von Momenten, an die du dich gerne erinnerst. Du fühlst dich sicher, geborgen und wohl.

 

Und dann bemerkst du plötzlich, dass dieses wunderschöne warme Zuhause eigentlich keine fertig eingebaute Haustür hat. Nur die Öffnung dafür ist in der Mauer vorhanden. Nach dem ersten Schock, was würdest du in dieser Situation sofort machen? Eine stabile Haustür einbauen. Am besten mit Sicherheitsschloss. Warum? Ohne Eingangstür, ohne einer geschlossenen Hülle, bist du vor äußeren Einflüssen nicht mehr geschützt, ihnen ausgeliefert und angreifbar. Niemand möchte, dass plötzlich wildfremde Menschen unerlaubter Weise in das eigene Zuhause kommen. Du könntest deren Handeln nicht mehr kontrollieren und müsstest ständig auf der Hut vor ungebetenen Gästen sein.

 

 

Während du gemütlich auf deiner Couch sitzt, könnte jemand mit schmutzigen Schuhen über deinen hellbeigen Teppich im Wohnzimmer marschieren, sich alles genau anschauen und einfach mitnehmen was ihm gefällt. STOP denkst du dir jetzt sicher. Das geht so nicht. Das gehört mir. Vielleicht geht er aber auch in die Küche und nimmt sich etwas aus deinem Kühlschrank. Das letzte Stück deiner Geburtstagstorte, auf das du dich schon so gefreut hast. Jetzt reichts. Spätestens jetzt wirfst du den Eindringling raus und verriegelst die Tür mit allem was du finden kannst. Nicht weil du ein böser Mensch bist und anderen dein Kuchenstück nicht gönnen würdest. Nicht weil dir die Bedürfnisse anderer egal sind und du egoistisch oder böse bist. Sondern weil jeder das Recht darauf hat, selbst zu bestimmen, was er von anderen toleriert und was nicht. Für unser Zuhauses kennen wir diese Regel und leben danach. Für unseren Geist müssen wir uns diese Regel aber erst einmal selbst erlauben und danach handeln.

 

 

„Achte dich selbst, wenn du willst, dass andere dich achten“

 

Deine Seele ist wie dein Zuhause. Innerhalb deiner eigenen vier Wände würdest du auch nie auf die Idee kommen, Menschen zu erlauben, etwas zu tun was dir nicht recht ist. Für deinen Geist hingegen, erlaubst du dir nicht, diese eindeutigen Grenzen zu ziehen. Du lässt es einfach zu, dass andere sich dir gegenüber unangemessen verhalten, deine Werte missachten und sich im Haus deines Geistes breit machen. Ja, das kommt mir bekannt vor, denkst du vielleicht. Aber was soll ich dagegen tun? Zu allererst musst du lernen, die Türen zu deinem Geist fest zu verschließen, um ungebetenen Eindringlingen nicht ausgeliefert zu sein. Du benötigst dafür klare, eindeutige Grenzen und Regeln zu deinem Schutz, damit andere nicht mit dir machen können was sie wollen. Oft nicht einmal, um dir bewusst zu schaden, sondern einfach, weil du sie nicht daran hinderst. Du stellst die Bedürfnisse anderer über deine eigenen und damit machst du dich klein.

 

 

Wieso fällt es dir so schwer Grenzen zu setzen?

 

 

Für unser Zuhause haben wir gelernt, dass man Türen schließen und auf sein Eigentum achten darf. Achten muss. Niemand wird sich beschweren, wenn du deine Türen absperrst und Fremde nicht in dein Haus lässt.

 

 

Diese verinnerlichte Erlaubnis, Eigentum zu schützen, lassen wir jedoch oft außer Acht, wenn es uns selbst, unsere eigenen Gefühle betrifft. Es fällt uns schwer NEIN zu sagen und unsere persönlichen Grenzen zu schützen. Viele haben als Kind gelernt, dass sie nur in Ordnung sind, wenn sie positives Feedback von anderen erhalten. Unser Selbstwert ist dadurch abhängig vom Urteil anderer Menschen über uns geworden.

 

Problematisch wird es, wenn wir als Erwachsene noch nicht gelernt haben, unsere eigenen Werte und Bedürfnisse herauszufinden und diese klar zu kommunizieren. Die Angst vor negativen Urteilen und damit scheinbar einhergehendem Liebesentzug ist dann so groß, dass wir es vermeiden NEIN zu sagen, obwohl uns eigentlich danach wäre. Wir lassen andere einfach weiter unsere persönlichen Grenzen überschreiten, ohne uns zu wehren. Nur weil wir uns schlecht und egoistisch dabei fühlen würden, unsere Bedürfnisse über die anderer zu stellen.

 

 

Als Folge davon lässt du sogar Fremde „mit ihren schmutzigen Schuhen“ durch dein Seelenwohnzimmer stampfen, oder nimmst dir ihre Kritik an dir zu Herzen. Du tolerierst weiterhin ihr unangemessenes Verhalten. Das ungute Gefühl in dir ignorierst du weiterhin. Ein großer Trugschluss dabei ist, dass du ein gutherziger Mensch bist und von dir auf andere schließt. Nicht jeder jedoch hat dein Bestes im Sinne. Das alles für die Hoffnung, dass die anderen mit dir zufrieden sind. Bei Kritik würdest du dich sofort als nicht in Ordnung und nicht liebenswert betrachten. Du hast dir als Kind angelernt, die Erwartungen der Eltern und anderer zu erfüllen, um dich als wertvolle Person zu sehen. Brav sein. Lieb sein. Folgsam sein. Niemandem Probleme bereiten.

 

Dann erst gibst du dir einen Wert. Deinen Selbstwert. Diese Strategie, die als Kind einen Sinn hatte, um die Anerkennung der Eltern zu erhalten, schadet dir als Erwachsener enorm. Du verbiegst dich so dein Leben lang für andere und verbietest dir unbewusst, auf deine eigenen persönlichen Grenzen und Bedürfnisse zu achten.

 

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Es gibt keinen sicheren Weg zum Erfolg,

aber einen sicheren zum Misserfolg:

Es allen recht machen zu wollen.

PLATON

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Hast du ein schlechtes Gewissen dabei, für deine eigenen Bedürfnisse einzustehen? 

 

 

Du kannst lernen auf dich selbst, deine Bedürfnisse und Werte in Zukunft besser zu achten. Als erwachsener Mensch benötigst du nicht mehr das Wohlwollen aller und darfst es dir erlauben, das Einhalten deiner Grenzen einzufordern. Es ist sogar dein Recht und deine Pflicht diese Grenzen zu schützen, um dich selbst als wertvoll zu betrachten. Den Wert musst du dir nämlich selbst geben. Jedes Mal, wenn du nicht für dich eintrittst, oder deine Bedürfnisse zurückstellst, beweist du dir nicht wertvoll genug zu sein.

 

 

Dass du die Regeln für dein Zuhause selbst aufstellst, ist dir klar. Jetzt muss dir noch bewusstwerden, dass es deine Aufgabe ist, persönliche innere Grenzen zu definieren und in Folge zu achten, egal wem gegenüber. Selbstfürsorge muss aber gelernt und trainiert werden, um für dich selbstverständlich zu werden.

 

 

Gib dir jetzt die Erlaubnis dafür! Sei es dir wert!

 

 

 

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